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Presseartikel Endlich wieder Stimmung im Saal
Die erste Sitzung der "Neuen Heiterkeit" in Montabaur war ein Erfolg - Viele der 600 Besucher im ausverkauften Haus Mons Tabor freuten sich: Das war Fassenacht wie früher

Endlich wieder Stimmung im Saal

Narren-Schiff der Kreisstadt nahm nach Generationswechsel wieder Kurs auf volkstümlichen Frohsinn
Montabaur hat sich den Sitzungskarneval zurückerobert: Die erste Kappensitzung der "Neuen Heiterkeit" bot nach Meinung vieler der 600 Besucher endlich einmal wieder "Fassenacht wie früher". Von Christian Lindner

MONTABAUR. "Vorhang auf für die Neue Heiterkeit" - unter diesem Motto stand die Premierensitzung der traditionsreichen Karnevalsgesellschaft von 1889 nach ihrem Generationswechsel. Und was auf der Bühne des ausverkauften Hauses Mons Tabor zu sehen war, das machte fünf Stunden lang (fast immer) Spaß.

Pluspunkt 1: Jens Weinriefer leitete sympatisch-locker durch die Sitzung. Alles kam von Herzen. Auch der junge Elferrat sorgte, teils selbst aktiv, für närrischen Schwung. Dabei vergessen die Jungen auch ihre "Vorfahren" nicht: Weinriefer ernannte Wilfried Christe, Walter Kunoth und Josef Hermes zu Ehrenmitgliedern der "Heiterkeit". Christe wiederum vermachte Weinriefer die Präsidentenkette der Traditions-KG.

Pluspunkt 2: Prinz Karl-Heinz I. von Botanicus und sein munteres Gefolge verbreiteten gleich zu Beginn festlichen Glanz. Karl Arnst, Hofmarschall i. V., verlas seine launige Proklamation. Demnach genießt jetzt jeder Baum in der Kreisstadt Bürgerrecht, alle Blumen sind zu grüßen.

Pluspunkt 3: Viele Tänze unterhielten bestens, angefangen mit den anmutigen Pagen der GKM (einstudiert von Renate Erhard). Gleich vier Tänze steuerte die Schloß-Garde Mons Tabor bei. Herrliche Bilder boten die Kadetten (Angelika Oster), die Funkenmariechen (Tanja Diefenbach) und die Gardisten (Irmtrud Thome), in diesem Jahr wieder mit tanzenden Männern, sowie Solo-Tänzerin Nina Karaski. Die 1. Schautanzgruppe Montabaur (Rosi Holzenthal) entführte in die 60er Jahre. Ihr Schwung und ihre komplizierten Figuren kamen gut an - im Gegensatz zur schmerzend lauten Musik. Ebenso temperament- wie effektvoll war der Auftritt der Last Minute Dancers aus Heiligenroth. Den Vogel aber schoß eine ganz neue Formation ab: Die Feuerwehrfrauen brachten den Saal mit ihrem urkomischen Klöppeltanz zum Kreischen. . .

Pluspunkt 4: Etliche Reden, von erprobtem Blödsinn bis zu geistvollen Eigenkreationen, erfreuten die Narren. Hubert Schwickert und Friedel Wiesemeyer witzelten sich wieder als Pat und Patachon durch die Welt der Männer. Martina Paul las den Männern als "Geplagte Tochter" die Leviten. Auch Jörg Klinger und Timo Meier boten teils köstliche Witze. Kostprobe: "Der ,Mendelssohn` ist ein Gemischter Chor. Die haben welche, die können singen. . ." Für einen der Höhepunkte der Sitzung sorgte Protokoller Markus Hebgen. Mit Witz, Geist und Mut zum offenen Wort sprach er in bester Narrentradition vieles an, was Montabäurer fuchst - vom "ICE-Wahn" über den Müll in der Stadt und dem knöllchenverteilenden "City-Hai" bis hin zur Vorherrschaft der Stadtteile. Publikums-Liebling aber wurde Dorothe Holly: Als Schusterbub trug sie eine brillant getextete Rede ebenso brillant vor. Skurrile Gruß-Anzeigen der WZ, das Mülheim-Kärlich-Fiasko, das grün-rote Ampelregiment in Montabaur - alles wurde herrlich aufgespießt und effektvoll durch "ein kräftiges, ein deftiges, ein donnerndes Helau" verbunden.

Pluspunkt 5: Auch die Freunde des heiteren Gesangs kamen auf ihre Kosten. Die "Sudhausboys" marschierten erst höchst militärisch ein, um dann durch das kölsche Liedgut zu streifen und am Schluß endlich die "Schösschen"-Hymne anzustimmen. An gute, alte Zeiten erinnerte der Moritatengesang von Christoph Kuhl und Christof Kunoth. Sie zogen Themen wie die immer noch geschlossene Waldesruh und die Schnellbahn-Kosten durch den Kakao.

Pluspunkt 6: Das Finale war mitreißend wie noch nie: Die "Gugge mer mol-Musik" aus Bad Ems, eine lautstarke Truppe von zwei Dutzend abenteuerlich kostümierten Bläsern und Percussionisten, heizte nach Mitternacht gekonnt und ausdauernd ein. Super-Idee!

Pluspunkt 7: Das Publikum war, für Montabaurer Verhältnisse, munter wie selten. Sehr viele waren verkleidet und ausgelassen, schon früh standen viele auf den Stühlen, (fast) alle sangen mit.

Einziger Meckerpunkt: Das Verleihen von Orden, das Danken und das Überreichen von Geschenken raubt immer noch zu viel Zeit. Lieber im kleineren Kreise danken und dafür zwei Beiträge mehr - das würde die Heiterkeit steigern.



 
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