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Presseartikel Elwerter Gickel fordert:Bunte Farben in die Stadt

Närrischer Regierungswechsel in Montabaur vollzogen - Seit Freitag abend haben Gerd II. vom kreativen Schaufenster und sein Hofstaat bis Aschermittwoch das Sagen

Elwerter Gickel fordert:Bunte Farben in die Stadt

Und sie schauten tatenlos zu: Bürgermeister und Beigeordnete der Stadt Montabaur ließen sich im Haus Mons Tabor ohne Gegenwehr das Zepter aus der Hand reißen. Gerd II. vom kreativen Schaufenster rief die Revolution aus. Sein Regierungsprogramm für die närrische Legislaturperiode: Er will die Schusterstadt in bunte Farben tauchen.Von Rena Lehmann

 

MONTABAUR.Die Kreisstadt hat seit Freitag wieder einen Prinzen. Zwar ließ das Volk es mit dem Jubel für Seine Majestät - bürgerlich Gerd Schlemmer - noch etwas zurückhaltend angehen, doch der Grundstein für eine fröhliche Regentschaft ist gelegt.

 

Bei der Kürung wurde klar, daß Gerd II. sich in vielem von Bürgermeister Paul Possel-Dölken unterscheiden wird. Vor allem äußerlich: Kaum auf der Bühne, begann Hofmarschall Willy Löwenguth, den Prinzen zu verzieren. Danach war klar: Gerd vom kreativen Schaufenster - mit Federhut, glitzerndem Anzug, die Beine in zarte Strumpfhosen gehüllt - wird die Kreisstadt in den nächsten Wochen würdig repräsentieren.

 

Was der neue Regent alles zu tun haben wird, erklärten ihm Karl Arnst und Friedel Wiesemeyer: Das alte Finanzamt sei noch feucht vom Beamtenschweiß, und auf der Alberthöhe wolle die jetzige Regierung eine Fußgängerzone plus Senioren-Wellness-Park einrichten. Viel zu tun für Gerd II., doch den echten "Elwerter Gickel" aus Niederelbert kann so leicht nichts schocken.

 

"Er is net schroh"

 

Nicht Franz Paffrath, der als Gickel für die gefiederte Kopfbedeckung des Prinzen sorgt. Und auch nicht Sabine Meuer von den Horresser Omeze: "Er wirkt net grad wie'n Schwarzenegger, doch is er net schroh!"

 

Noch ein Unterschied zur Stadtverwaltung: Die Angestellten tanzten sogar für ihren Prinzen. Renate Erhardts Kinderpagen zeigten Funkentanz in prächtigen neuen Kostümen. Die kleine Tanzkoryphäe Rebekka Barbanus schlug Räder und überschlug sich gekonnt in alle Richtungen. Auch uniformierte Herren schwangen das Tanzbein. Die Schloßgarde stand nicht nur stramm, sondern imponierte Seiner Majestät mit Radschlägen.

 

Der Prinz regiert nicht allein: Jens Weinriefer, Präsident der K. G. Heiterkeit 1889, versprach Unterstützung und überreichte - was in keinem Prinzenhaushalt fehlen darf - eine Nadel, damit Gerd II. den roten Faden der Heiterkeit immer wieder findet.

 

Exprinzen-Präsident Reinhold Fuchs analysierte für den Regenten die momentane politische Lage. Daß ein Niederelberter in Montabaur Prinz sei, mache einen Trend deutlich: "Die Dörfer zieht es hin mit Macht zur Montabäurer Fassenacht."

 

Aus allen Regionen seines Reiches reisten Gratulanten an: Orientalische Schlangenbeschwörerinnen aus dem Omezeland bezauberten den Prinzen in glitzernden Gewändern, die erste Schautanzgruppe Montabaur feierte sein Imperium mit einem Tanz der Römer. Seine Herkunft verfolgt den Prinzen: Zwei Elwerter Gickel (Franz Paffrath und Bernd Nink) kamen ausnahmsweise mal als weibliche Besucher. Die eine in hochdeutsch, die andere in Elwerter Mundart, besprachen die beiden allerlei Frauenprobleme. Gerd II. scheint Federvieh zu mögen. Auch beim Tanz der Rot-Weißen Funken aus Koblenz wirbelten Hühner und Hähne gekonnt übers Parkett. Und dann zeigte der Prinz, daß er auch tanzen kann: Günther Stotz sang den "Wahnsinn" von Wolfgang Petry - Gerd II. und seinen Hofstaat hielt es nicht mehr auf dem Thron.

 

 

 

 

 

 
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